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Nachforschen

Auf dieser Seite möchten wir Ihnen die ersten Schritte erläutern, wenn Sie das Schicksal eines Steglitzer oder Zehlendorfer rassisch verfolgten Opfer des Nationalsozialismus recherchieren wollen, um es dem Vergessen zu entreißen.

Zunächst sollten Sie unter "Namen und Orte" nach Namen schauen, die mit einem roten Kreis und dem Hinweis "noch kein Stein" versehen sind. Für Zehlendorf haben wir alle uns durch das Berliner Gedenkbuch bekannte Namen eingetragen, Steglitz wird demnächst ebenfalls vollständig dokumentiert sein. Wenn Sie also in Ihrer Straße oder in ihrem unmittelbaren Kiez keine Namen finden,  sind im Berliner Gedenkbuch von dort keine Deportationen verzeichnet. Das heißt nicht, dass dort auch tatsächlich niemals rassisch Verfolgte gewohnt haben, nur eben, dass offenbar niemand von dort abgeholt wurde.

Haben Sie einen Namen, können Sie zunächst über die Seite des Online-Gedenkbuch des Bundesarchivs erste Eckdaten zu der Person erfahren, wie Geburtsdatum, Deportationsdatum und -ort.

Da die nationalsozialistische Rassenpolitik auf Verschleierung setzte und Menschen häufig vor der Deportation noch zum Umzug in andere Häuser zwang, um die Spuren für die langjährigen Nachbarn zu verwischen, sind die Deportationsadressen oft nicht der letzte freiwillig gewählte Ort einer Person oder Familie. Deshalb ist es wichtig, in den alten Berliner Adressbüchern nachzusehen (Link siehe unten). Stolpersteine werden nach Möglichkeit an der letzten freiwillig gewählten Adresse verlegt.

Es ist interessant, sich verschiedene Jahrgänge anzuschauen. Auf der Seite gibt es rechts unten einen Schnellzugriff für verschiedene Jahrgänge, z.B. 1936. Sie haben nun entweder die Möglichkeit, nach den Haushaltsvorständen alphabetisch zu suchen und dadurch zu sehen, ob sie die Adresse mehrfach gewechselt haben. Oder Sie schauen, wie sich die Bewohner einer Adresse verändert haben. Dazu unten im Menü auf "Einwohner und Firmen nach Straßen geordnet" gehen, dann entfalten sich die einzelnen Verwaltungsbezirke. Hier z.B. "Steglitz" auswählen und dann den entsprechenden Unterbezirk, z.B. "Lankwitz". Die Straßen sind alphabetisch sortiert, zum Teil aber linke und rechte Straßenhälften (gerade und ungerade Nummern) nacheinander. Interessante Hinweise geben zum Beispiel die Buchstaben "E" (wie Einwohner) und "T" (wie Telefon) bei den Einträgen. Dadurch können manchmal Enteignungen sichtbar gemacht werden.

Bei Menschen, die nach Theresienstadt deportiert wurden, lohnt sich der Blick in das Theresienstädter Gedenkbuch, in dem sich zum Teil sogar die Sterbeurkunden der oft Verhungerten und medizinisch schlecht versorgten Bewohner befinden.

Außerdem befinden sich in Yad Vashem, dem zentralen Gedenkort jüdischer Opfer in Israel, zahlreiche Erinnerungsblätter von überlebenden Angehörigen. Es lohnt sich, die Namen hier ebenfalls online zu recherchieren.

Ob Wiedergutmachungsakten zu einer Person vorliegen, lässt sich leicht nachprüfen unter http://wga-datenbank.de/de/recherche.html, die Akteneinsicht muss dann beim Landesarchiv beantragt werden (Eichborndamm 115-121, 13403 Berlin, Tel.: (030) 90264-0, Fax: (030) 90264-201, E-Mail: info(at)landesarchiv.berlin.de).

Dieses sind die wesentlichen Online-Recherche-Möglichkeiten. Auf dieser Grundlage können Sie Akteneinsicht bei den beiden Archiven beantragen, die oft noch etwas zu den Biografien beitragen, dem Brandenburgischen Landeshauptarchiv und dem Bundesarchiv Berlin mit den Volkszählungsunterlagen von 1939. Bei der Beantragung und dem Umgang mit den dort gefundenen Quellen beraten wir Sie gern, denn es nicht ganz leicht, sie zu bewerten und zu verstehen.

Einen Rechercheleitfaden als PDF-Datei mit einer Auflistung von Archiven und Online-Recherchemöglichkeiten finden Sie auf der Website der Koordinierungsstelle der Berliner Stolpersteininitiativen.

Herzlich eingeladen sind Sie auch, zu einem der Netzwerk- und Initiativ-Treffen zu kommen. Die Termine finden Sie in unserem Terminkalender.

Diese und weitere Recherchemöglichkeiten

Akten und Karteikarten der Vermögensverwertungsstelle des Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg.

Berliner Adressbücher der Jahre 1799 bis 1943 in der Zentral- und Landesbibliotek Berlin

Im Theresienstädter Gedenkbuch finden sich zum Teil sogar die Sterbeurkunden der oft Verhungerten und medizinisch schlecht versorgten Bewohner.

Die Original-Deportationslisten nach Transportnummern sortiert.

Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer in der Gedenkstädte Yad Vashem in Israel. Hier könne auch Einträge (Gedenkblätter) von überlebenden Angehörigen und Freunden der Opfer gefunden werden.

Die Datenbank jüdischer Gewerbebetriebe in Berlin wurde zwischen 2005 und 2011 im Rahmen eines Forschungsprojekts am Lehrstuhl für deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert der Humboldt-Universität zu Berlin aufgebaut.

Das Straßenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins vermerkt die aktuellen wie auch die vergangenen Namen Berliner Straßen und Plätze.

Landkartenarchiv des Bundesarchivs - Auf Grundlage des heutigen Landkartenbestandes kann Kartenmaterial verschiedener Jahrgänge übereinander gelegt werden. So wird der direkte Vergleich möglich.